Engelgewänder und kostbare Tücher

„Nichts ist unwichtig – alles ist Zeichen und Symbol des Glaubens. Alles hat sein Material und Handwerk. Alles ist kostbar. Nur wer es erkennt und liebt, wird es schützen und erhalten.“

Nach diesem Motto erkundeten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5a und 5b der Hauptmann-von-Köpenick Grundschule im Juli die Friedenskirche Grünau in einem außergewöhnlichen, fächerübergreifenden Projekt. Sie nutzten all ihre Sinne, um den Kirchenraum für sich zu entdecken:

begegnung-mit-fr-steinikeDie Mineralogin, Frau Dr. Steinike, erklärte die Herkunft des Sandsteins und seine Verwendung als kostbarer Baustein an der Friedenskirche Grünau. Die Kinder nutzten ihren Tastsinn, um nicht nur der Geschichte des alten Gemäuers auf die Spur zu kommen. Auch Kirchenbänke, Taufbecken und andere wichtige Bestandteile wurden genauestens untersucht.

Um die Atmosphäre des Sakralraums Kirche kennenzulernen, war vor allem das Gehör gefragt. Der Stille folgen … Lauschen… Zu–Sich-Kommen. „Schweige und höre/ neige deines Herzes Ohr/ suche den Frieden“. Frau Zedlitz ist ausgebildete Sängerin und ließ die Kinder nicht nur lauschen, sondern auch singen – denn Kirchen sind Klangräume, die wir mit Musik füllen können. Herr Dr. Henschel aus der Gemeinde ließ die Orgelpfeifen klingen. Wer mutig war, durfte es auch selbst einmal probieren. Mit der imposanten, lauten Orgelbegleitung zu singen, haben sich letztlich alle getraut.

stolenmuster-aDie Entdeckungsreise mit allen Sinnen ging immer mit dem eigenen Wirken und Schaffen einher: Wer lauschte, der sang auch. Wer beobachtete, malte auch. Projektschüler der ersten Woche malten Muster, die sie in der Kirche fanden. Die Kinder der zweiten Projektwoche malten Engel. Die Künstlerinnen Frau Meisner und Frau Utsch leiteten die Kinder dabei an.

Aber die Kreativität ging über das Singen und Malen noch hinaus. Zum ersten Mal sticken! Das erste Mal eine eigene Schablone herstellen! Und dann die Stofffarben einsetzen. Unter Anleitung lernten die Schülerinnen und Schüler alte Handwerkstechniken kennen und schufen ihre eigenen Stolen. Und ganz nebenbei wurden Fragen beantwortet wie:

Woraus wird eigentlich Leinen gemacht? Leinen und Flachs zum Anfassen und auch zum Kosten! Leinsamen schmeckt, Leinöl ist gesund. Alle wollten mal probieren.

pfr-kastner-aWie lebten und kleideten sich Menschen in Grünau vor 100 Jahren? Was trug die Damenwelt zum Kirchgang am Sonntag? Gemälde von Liebermann, Munch und Modersohn beflügelten die Vorstellungskraft. Anziehpuppen aus Pappe waren vor 100 Jahren bei kleinen Mädchen sehr beliebt. Mit was spielten die Jungs?

Neben so viel Kreativität kam auch der Dialog nicht zu kurz: Was macht überhaupt ein Pfarrer in der Kirche? Pfarrer Kastner stand Rede und Antwort. Und er hörte zu. Denn alle Kinder wollten über das Projekt berichten und ihre Arbeiten vorstellen. Ganz mutige wagten sich sogar auf die Kanzel, um herauszufinden, wie sich wohl ein Pfarrer fühlt. Vorgelesen wurde von dort oben der Psalm 23 – Der Herr ist mein Hirte. Ein 3000 Jahre altes Lied, das nicht nur Christen auf der ganzen Welt bekannt ist.

Den krönenden Abschluss bildete die Präsentation aller kreierten Werke vor dem Altar. Gekleidet wie die Heroldsengel in der Apsis – mit einer Ehrenstola – selbst entworfen und bedruckt – zeigten die Kinder, was sie zu diesem fächerübergreifenden Projekt beigetragen haben: Gestickte und gemalte Engel, Stolen, Gesänge und Tänze. Außerdem wurden die Projektergebnisse auch am Tag des offenen Denkmals im September in der Friedenskirche der Öffentlichkeit vorgestellt.

praesentation-vor-apsisZum Abschluss bleibt noch der Dank, der vor allem den Kindern gelten soll – für ihre Aufmerksamkeit, das Interesse, die vielen Fragen, ihr Lachen, ihren Fleiß, ihre Kreativität, ihr Singen und Vorlesen, ihr Vertrauen und ihre Fantasie. Ebenso danken wir aber auch den zahlreichen privaten Spendern, dem Förderverein der Hauptmann-von-Köpenick Grundschule, der Dietrich-Bonhoeffer-Stiftung, der Kirchengemeinde Bohnsdorf – Grünau für die Bereitstellung der Räume mit Technik, Strom, Wasser sowie der Mitwirkung des Ehepaars Bohmbach,  von Dr. Henschel und der Mineralogin, Frau Dr. Steinike.

Besuchen Sie einmal die Friedenskirche Grünau – entdecken Sie ihre Schönheit und Stille!

hand-mit-musterMit der Kirchenpädagogik den Kirchenraum entdecken – das macht Spaß. Lernen Sie hier mehr über die Möglichkeiten.

Die Website der Evangelischen Kirchengemeinde Bohnsdorf-Grünau finden Sie hier.

Projektidee und Projektleitung: Maria von Fransecky, Kirchenpädagogin

Das Projekt-Team hinter dem Projekt und Frau von Fransecky:

Frau Zedlitz, ev. RU + Frau Schanze, Musik/Deutsch + Frau Rätz, Kunst/Geschichte sowie den fachlichen Partnerinnen: Frau Meisner/ Kunsthistorikerin und Designerin (MA) + Frau Utsch/ Dipl. Textildesignerin/ Leiterin der Werkstatt für Paramentik und Frau Dr. Steinike/ Mineralogin und Gemeindemitglied

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