Dezemberstimmung

Talitha Kumi FeierUnser Arbeitsjahr 2017 neigt sich dem Ende zu. Was gibt es da schöneres angesichts des trüben Wetters und der dunklen Jahreszeit, als sich an die Höhepunkte eines ereignisreichen Jahres zu erinnern.

Wenn ich zurückdenke, sehe ich als erstes die Gesichter von Lehrerinnen und Lehrern aus Palästina, denen zwei deutsche Schulinspektoren bestätigt haben, dass ihre Schule eine gute Schule ist. Unvergesslich der spontane Jubel, die Freudentränen und glücklichen Gesichter. Frauen und Männern liegen sich in den Armen, fangen an zu singen und zu tanzen. Es war, als wäre eine zentnerschwere Last von ihren Schultern genommen. Deutsche Inspektoren in einer palästinensischen Schule. Das ist einmalig. Das gibt es nur in Talitha Kumi. Die Schule darf nun das Gütesiegel „Exzellente Deutsche Auslandsschule“ tragen. Die Schule wurde nach einem Qualitätsrahmen aus 18 Qualitätsmerkmalen und einer Vielzahl von Kriterien im wahrsten Sinne des Wortes auf Herz und Nieren überprüft. Der Druck war groß. Explosionsartige Freude die Folge.

konfessionell-kooperativer RU

Fotograf: Walter Wetzler

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Fotograf: Walter Wetzler

Szenenwechsel: Ich sehe eine Klasse in einer Grundschule, die zwei Bischöfe zu Gast haben. Den beiden Lehrerinnen steht die Anspannung ins Gesicht geschrieben. Sie sollen Unterricht vorführen. Anwesend sind Pressevertreter und ein evangelischer und katholischer Bischof. Wer würde da nicht schwitzen? Die Kinder. Sie sind begeistert, ihre anfängliche Nervosität ist schnell verflogen. Sie zeigen, was sie können. Sie lieben das Fach Religion und ihre Lehrerinnen. Die Bischöfe sind ebenso begeistert. Nach der kleinen Unterrichtssequenz kommen sie mit den Kindern ins Gespräch. Sie lassen sich befragen und hören den Kindern einfach zu. Warum besuchen zwei Bischöfe eine Unterrichtsgruppe? Bischof Dröge und Bischof Koch haben zuvor einen gemeinsamen Vertrag unterschrieben. Beide Kirchen wollen in Zukunft im Religionsunterricht enger zusammenarbeiten. Das Konzept eines konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts wird mit einem Vertrag feierlich besiegelt. Gelebte Ökumene in der Schule. Besser kann das Reformationsjubiläum nicht gefeiert werden.

Tagung in LinzEnde November ist in Linz Punsch- und Glühweinzeit. Ein süßlich-würziger Weingeruch breitet sich in den Straßen der Altstadt aus. Der Lichterglanz der festlichen Engels- und Puttendekoration sorgt für eine vorweihnachtliche Stimmung. Das Kind in der Krippe begegnet dem Schaufenster-Bummelnden. Jesus der Mann aus Nazareth oder Jesus der Christus? Welches Bild haben wir vom Kind in der Krippe? Kinder und Jugendliche sind auf christologische Fragen ansprechbar. In welcher Weise dies im Unterricht zum Tragen kommt, ist das Thema einer Tagung mit katholischen Religionslehrerinnen  und -lehrern aus Oberösterreich. „Kommen die Kinder nicht mit ‚falschen‘  Vorstellungen aus der Grundschule in den Oberschulunterricht?“, fragt ein Lehrer. Er hat den Eindruck, als müsste er etwas korrigieren, was zuvor unzureichend „vermittelt“ wurde. Die Kinder- und Jugendtheologie zeigt eine andere Blickrichtung. Kinder und Jugendlich habe ihre eigene Theologie. Diese gilt es wahrzunehmen und zu respektieren, nicht zu korrigieren. Wer in der Logik von „Vermittlung“ denkt, ist in der Gefahr, die „Aneignung“ von Inhalten aus dem Blick zu verlieren. Kinder und Jugendliche habe das Recht auf ihre eigenen Sichtweisen. Diese sind das Ergebnis von Aneignungsprozessen, die wir als Lehrende erst einmal wahrnehmen und verstehen müssen. Empirische Befunde können dabei ein Wegweiser sein. Zurück zum Kind in der Krippe: Wir können es aus der Perspektive einer „Jesulogie“ und einer „Christologie“ betrachten. Wichtig ist die Fähigkeit zum Perspektivenwechsel. Wie in einem Kippbild wird der Betrachter immer wieder neu überrascht. Gerade zu Weihnachten. Das Fest der Überraschungen und Freude.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und einen besinnlichen Jahresausklang.

OKR Dr. Friedhelm Kraft

 

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