Der verschwundene Friedhof

imageFFR6I7K4„Ein Friedhof? Nein, ich habe von keinem Friedhof hier gehört!“ So lautete die Antwort der Anwohner 1990, als Schüler zum ersten Mal auf Exkursion waren.

Auch heute, 26 Jahre später, hat sich die Situation nicht geändert. Bis heute ist dieser Ort mit so viel Geschichte den wenigsten bekannt. Einen Hinweis auf seine Existenz gibt es auf dem Gelände nicht. So ist er noch immer dem Vergessen preisgegeben.

Der Friedhof verwuchert zusehends. An früher erinnern bei genauem Hinsehen nur noch schwache Spuren: Reste der alten Mauer, Torverankerung, Brunnen. Er wird von vielen daher auch als „Wald“ wahrgenommen.

Um den Friedhof aber nicht nur in den Köpfen der Reinickendorfer zu belassen, wollten jetzt Schüler Hand anlegen.

Erst kürzlich war das Gelände der ehemaligen Krankenanstalten Buch dem Vergessen entrissen worden. Die Künstler Silvia Fohrer und Rudolf Kaltenbach hatten dort mit Schülern Denkmale gesetzt.

Sie waren bereit, auch mit Schülern in Reinickendorf etwas zu gestalten. Ihr Workshop auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik in Reinickendorf im Dezember 2015 hat viele Reaktionen hervorgerufen. Plötzlich wurde durch die weißen Holzkreuze, aus Latten gefertigt und ins Gelände gelegt, wieder ein Friedhof sichtbar. Pigmentspuren auf den Wegen, Schriftzüge auf dem Boden im Efeu, ein wieder erwachter Brunnen, mit blauem Nessel bespannt, wollten den vergessenen Ort zum Reden bringen.

Für Besucher des Geländes änderte sich jetzt der Blickwinkel. Genau diese Reaktion wollten die Schüler erreichen! Die Spaziergänger sahen das verwunschene Gelände anders als vorher, blieben auch einmal stehen und blickten sich länger um. Viele wollten mehr erfahren und freuten sich, dass hier wieder etwas passiert und das „junge Menschen“ diese Arbeit tun.

Die Arbeit des Workshops hat sich also für Schüler und Künstler gleichermaßen gelohnt. Ihr gemeinsamer Blick auf das, was sie durch ihren Workshop geleistet haben um dem Gedenken an diesem Ort wieder Raum zu geben, hatte die Besucher angesprochen. Diese Reaktion wird bei ihnen weiter wirken, auch wenn der Workshop mit dem Holocaustgedenktag am 27. Januar 2016 erstmal endete und der Friedhof nun wieder ein Stück mehr in seine Verborgenheit zurückgekehrt ist.

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Neugierig auf den Workshop?
http://bb-ewerk.jimdo.com/projekt-karl-bonhoeffer-nervenklinik-anstaltsfriedhof/

Künstler: Silvia Fohrer, Bildhauerin, Rudolf Kaltenbach, Bildhauer < Steine ohne Grenzen > Internationales Symposium für Frieden und Menschlichkeit seit 2001

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